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Ein neues Wappen und ein neues Prädikat für die Boymont von Payrsperg

18.09.2025, 12:00
Südtiroler Landesarchiv, Sammlung Landesarchiv II, Pos. 33
Südtiroler Landesarchiv, Sammlung Landesarchiv II, Pos. 33

Die Boymont von Payrsberg gehörten ursprünglich zu den Ministerialen der Grafen von Eppan. Ihr Stammvater Heinrich von Lagustel erhielt 1236 die Burghut von Boymont bei Eppan. Von dort leiten sich der neue Name und das neue sprechende Wappen der Familie ab: ein silberner Schild mit einem schwarzen Ochsen. Die erste gesicherte Darstellung dieses Wappens stammt von einem Siegel Altums von Boymont aus dem Jahr 1328, wenngleich in Siegelsammlungen aus dem 19. Jahrhundert auch Hinweise auf ein älteres Wappensiegel aus dem Jahr 1241 zu finden sind. Ebenfalls aus dem 14. Jahrhundert stammt die Abbildung des Wappens im heraldischen Fries, den die Vintler in den Jahren 1389–1393 im zweiten Obergeschoss des Ostpalasts von Burg Runkelstein bei Bozen anbringen ließen. Etwas jünger sind die Grabplatte der Boymonter aus der Kirche St. Justina in Eppan, die heute im Stadtmuseum Bozen aufbewahrt wird, sowie der Wappenschild auf dem bemalten Fensterrahmen des Bergfrieds von Schloss Korb, ebenfalls in Eppan.

Bereits 1244 teilte sich das Geschlecht in die beiden Linien von Burg Boymont und Burg Paierberg (Payrsperg) oberhalb von Nals. Die erste Linie starb 1411 aus. Durch die Erbin Barbara von Boymont († 1440) ging die namensgebende Stammburg an die Kaßler über. Diese übernahmen 1415 auch das alte Wappen mit dem Ochsen und vereinten es zu einem neuen gevierten Wappen mit jenem der ausgestorbenen Herren von Ramüss, welches ihnen Kaiser Sigismund zwei Jahre zuvor verliehen hatte. Die Linie von Paiersberg überlebte hingegen viel länger. Die Boymont von Payrsperg, die 1568 in den Freiherren- und 1693 in den Grafenstand erhoben wurden, starben 1791 in männlicher und 1851 in weiblicher Linie aus.

Um sich von den Kaßler von Boymont zu unterscheiden, begannen die Boymont von Payrsperg bereits Ende des 15. Jahrhunderts, selbst ein geviertes Wappen zu führen: In den Feldern 1 und 4 das alte Stammwappen mit dem Ochsen, in den Feldern 2 und 3 das Wappen der Payr von Nals, der ersten Burgherren von Paiersberg, nämlich einen silbernen Schwan mit ausgebreiteten Flügeln auf blauem Grund.

Zwei der ältesten Darstellungen dieses gevierten Wappens befinden sich in der Pfarrkirche von Tisens, insbesondere auf einem Schlussstein im Chor und auf einem Buntglasfenster aus dem Jahr 1520. Auf dem letzteren ist das Wappen neben dem Porträt von Regina von Boymont-Payrsperg zu sehen, der zweiten Frau von Veit von Andrian. Um 1550 wurde es in das Wappenbuch von Neustift aufgenommen. Das Wappen von Martin von Boymont zu Payrsperg ist hingegen auf einer gemalten Tafel aus dem Jahr 1558 zu sehen. Diese befindet sich heute im Ansitz Ober-Payrsperg in Bozen und wurde von der Witwe Martins von Boymont, Sophie von Breisach, in Auftrag gegeben.

Kurz darauf erhielten die Boymont von Payrsperg eine zweite Wappenbesserung. Am 11. Mai 1560 verlieh Kaiser Ferdinand I. den Brüdern Jakob und Martin sowie ihrem Vetter Sebastian das Anwesen „in der Gaul“ unterhalb der Burg Paiersberg, mit deren Wiederaufbau sie bereits begonnen hatten, und befreite es; zudem gewährte er ihnen das Prädikat „von und zu Schwanburg“ in Bezug auf den Namen, den die Erbauer der neuen Besitzung gegeben hatten, in Anlehnung an das Wappentier der Payr von Nals. Das Stammwappen (mit dem Ochsen) wurde damals ins (Wappen-)Herz gesetzt. der Schwan der Payr wurde in die Felder 1 und 4 verschoben, während die vormals vom Schwan eingenommenen Felder 2 und 3 mit dem Wappen der ausgestorbenen Herren von Vaz (Graubünden) besetzt wurden. Auf dieses Wappen stellten die Boymont von Payrsberg Erbansprüche. Es zeigt einen gevierten Schild, in den Feldern 1 und 4 vollrot, in den Feldern 3 und 4 von Blau und Silber geschachtet.

Die Urkunde vom 11. Mai 1560 liegt in Form einer beglaubigten Abschrift vor, die 1780 vom Sekretär der oberösterreichischen Regierung und päpstlichen sowie kaiserlichen öffentlichen Notar Josef Anton Roschmann ausgefertigt wurde. Abgebildet wird hier die Wappenminiatur.

Südtiroler Landesarchiv, Sammlung Landesarchiv II, Pos. 33

Walter Landi