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Ansitz Rottenbuch

Ansitz Rottenbuch, Bozen
Ansitz Rottenbuch, Bozen

Das Landesdenkmalamt als Fachbehörde für den Kulturgüterschutz der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol hat seinen Sitz im Ansitz Rottenbuch, in der Armando-Diaz-Straße 8 in Bozen im Stadtteil Gries. Der adelige Ansitz im Erscheinungsbild der Renaissance mit einem ausladenden Walmdach in einem umfriedeten Park hat einen Kernbau aus dem 14. Jh. Das Anwesen steht seit 1951 unter Denkmalschutz.

Der Ansitz Rottenbuch wurde von der Autonomen Provinz Bozen Südtirol im Jahr 1976 angekauft und war von Anfang an als Sitz des Landesdenkmalamtes bestimmt. Unter der Leitung von Landeskonservator Dr. Karl Wolfgruber wurde der Ansitz von Arch. Erich Pattis vorbildhaft instandgesetzt und restauriert. Auch das sogenannte Teßmann-Gebäude wurde von Arch. Erich Pattis geplant und achtsam in den historischen Kontext eingefügt. Auch Teile des ehemaligen Wirtschaftsgebäudes des Ansitzes wurden damals in die Planung miteinbezogen. Die aufwändige Restaurierung im Inneren, die eine prachtvolle Ausstattung der Spätrenaissance in mehreren Räumen freilegt hat, wurde von der Restauratorin Gabriella Gräfin Serra geleitet.

Im 2. Obergeschoß des historischen Ansitzes mit dem prachtvollen frühbarocken Festsaal die Büros der Landeskonservatorin/des Landeskonservators untergebracht. Im 1. Obergeschoss arbeiten die Architekt/-innen, Kunsthistoriker/-innen und Verwaltungsmitarbeiter/-innen des Amtes für Bau- und Kunstdenkmäler. Im Erdgeschoß ist in den ehemaligen Wirtschaftsräumen das Amt für Archäologie untergebracht, dessen Funddepot sich in Frangart befindet.

Die Büroräume und das Depot des Landesarchivs als weiterem Amt des Landesdenkmalamtes sind neben dem Staaatsarchiv und der Landesbibliothek Dr. Friedrich Teßmann in Neubau von Arch. Pattis untergebracht. Weitere Räume des Landesarchivs befinden sich im ehemaligen Wirtschaftsgebäude von Rottenbuch.

An der Stelle des heutigen Ansitzes stand im 14. Jh.  der Gandelhof, ein turmartiges, zweigeschossiges Gebäude. Der Weinhof war ein Lehen des bischöflich-augsburgischen Meierhofes St. Afra in Bozen. Anfang des 16. Jahrhunderts wurde an der Ostseite ein Wirtschaftsgebäude mit gewölbtem Erdgeschoss für eine „Ansetz“ und eine Torggl errichtet.

Nachdem die Rottenbucher, eine bürgerliche Familie aus der Bozner Führungsschicht, den Weinhof erbte, wurde dieser 1567 von Erzherzog Ferdinand II. zum Ansitz Rottenbuch erhoben. Dem neuen herrschaftlichen Stand entsprechend, baut Josef Rottenbuch den Weinhof zu einem adeligen Ansitz um, verbindet die beiden Baukörper, erhöht den Osttrakt um ein Geschoss, erschließt das Gebäude durch eine Freitreppe und errichtet eine zinnenbewehrte Umfassungsmauer.

Später erhält der Ansitz mit getäfelten Stuben, bemalten Balkendecken, Kachelöfen und Malereien eine reiche Innenausstattung. (Datierungen: 1588 Wappendarstellungen, 1590 Jagdzimmer, 1598 GMP (Georg Müller Pambergensis) Josefslegende, obere Stube).

Der Ansitz wechselt 1610 in den Besitz des Augsburger Kaufmanns David Wagner, dessen Söhne 1650 in den Freiherrenstand von und zu Sarnthein erhoben werden. Ab 1650 stockt Ludwig von Sarnthein den Westtrakt um ein Geschoss auf und legt den oberen Festsaal, der zu den größten profanen Sälen Bozens zählt, an. Für die Fassaden werden Erker und die Biforienfenster des späten 16. Jahrhunderts übernommen.

Am Ende des 17. Jahrhunderts (ca. 1681) werden das Mezzaningeschoss, die Einwölbung des Festsaales, das barocke Treppenhaus und das mächtige Walmdach errichtet. Im Jahr 1694 wird im zweiten Obergeschoss, vermutlich durch Maria Viktoria von Sarnthein, die Stifterin des Cölestinerinnenklosters in Bozen, eine Kapelle mit dem Maria-Loreto-Patrozinium eingerichtet.

Der Ansitz Rottenbuch ist ein schönes Beispiel für die Nachhaltigkeit und Wandlungsfähigkeit historischer Gebäude, deren Bedeutung als „Graue Energie“ nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Vom mittelalterlichen Weinhof bis zum funktionsfähigen Verwaltungsgebäude des 20.  und 21. Jahrhunderts wurde der Bestand immer wieder weitergebaut und mehrmals umgenutzt. Der barocke Nutzgarten, der den Ansitz umgibt, ist heute ein wichtiges Mikroklima für das bebaute Umfeld und ein Lebensraum für Bienen.

Über die Jahrhunderte war Rottenbuch ein Bauernhof, ein adeliger Wohnsitz, ein Kloster, eine Ruine und wurde schließlich eine besonders schöne Arbeitsumgebung für die alle Menschen, die bis heute für den Kulturgüterschutzes des Landes arbeiten.

Literatur:

Helmut Stampfer (Hrsg.): Der Ansitz Rottenbuch von Bozen-Gries. Veröffentlichungen des Südtiroler Kulturinstitutes, Band 2, Tappeiner Verlag, 2003.

Siehe auch

"Alle Fotos stammen aus dem © Fotoarchiv des Landesdenkmalamtes. Verwendung nur mit Genehmigung des Amtes"

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