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… das in dergleichen Fählen bißweillen der unversöchne Tott verhannden –

03.08.2026, 14:00

Elisabeth Katharina von Jordan erwartet ihr erstes Kind und errichtet ihr Testament

Südtiroler Landesarchiv, Akten des Landeshauptmannschaftlichen Gerichts/Adeliges Hofrecht Bozen, Nr. 1776
Südtiroler Landesarchiv, Akten des Landeshauptmannschaftlichen Gerichts/Adeliges Hofrecht Bozen, Nr. 1776

Während der Tod heute aus den Gedanken der Menschen unserer Breiten vielfach verdrängt zu sein scheint, war er in der frühen Neuzeit noch allgegenwärtig. Dies ist umso verständlicher, wenn man bedenkt, wie schnell das Leben angesichts der rudimentären medizinischen Möglichkeiten der Vormoderne bei Krankheit oder Unfall enden konnte. Für Frauen waren zudem Geburten nicht nur ein einschneidendes, sondern lebensbedrohliches Ereignis, sowohl für die Mutter wir für das Kind. Wie hoch die Sterblichkeit der Gebärenden im 17. Jahrhundert war, lässt sich schwer abschätzen, da in den älteren Kirchenbüchern Angaben zur Todesursache der Verstorbenen in aller Regel fehlen. Vorsichtige Schätzungen gehen von einer Mütter-Sterblichkeit von 1 bis 7 Prozent aus, wobei die Geburt des ersten Kindes das höchste Risiko darstellte. Doch auch Frauen, deren Gesundheit bereits durch zahlreiche Schwangerschaften geschwächt war, und im fortgeschrittenen Alter gebaren, waren einem erhöhten Risiko ausgesetzt.

Bedenkt man die begrenzten Möglichkeiten, die den Hebammen zur Verfügung standen, wird verständlich, warum Elisabeth Katharina von Jordan, geborene von Khüepach, im Juli 1671 in Kohlern – in der Sommerfrische? – kurz vor der Geburt ihres ersten Kindes – ein Testament errichtete:

Nachdeme die woledlgeborne frau Elisabeta Catarina Jordanin geborne von Khiepach zu Ried, Haßlburg vnd Zimerlehen von Gott dem allmechtigen mit ainer leibsfrucht gesögnet worden, deren geburth sye mit verlangen erwartet, worzue derselben der Allerhechst ainen frölichen anplickh verleichen wolle, gleichwollen laider bekhanndte erfahrung gibt, das in dergleichen fählen bißweillen der vnuersöchne tott verhannden, die frauen bilder mit márckhleichen zuestenden dergestalt ybereillet, das ain vnd andere ohne disposition, wie es mit ihren vermigen gehalten werden solle, abstirbt, deme zeitlichen, vnd da mann noch bei gesundtem wolaufmigenden leib, gueter vernunfft vnd aussprach ist, auch wol thuen khann vnd mag, vorzupeigen, hat angedeite frau Jordanin mit zuuor gepflognen rath, wissen, willen vnd gegensein ihres von loblicher lanndthaubtmannschafft zuegeordneten anweißers dotiert, das derentwegen abgebne decret [...]

Elisabeth Katharina (auch Anna Katharina genannt) wurde um 1651 als Tochter des Carl von Khüepach zu Ried und der Maria Franziska Tanner von Tann geboren und ehelichte im Spätherbst 1670 Michael von Jordan, Sohn des kaiserlichen Leibmedikus Rochus von Jordan und der Lucia Gottardello. Wir wissen, dass die junge Frau die Geburt ihres ersten Kindes überleben sollte, sie starb im Herbst 1683 an einer nicht näher genannten Krankheit. Aus der etwas mehr als zehn Jahre währenden Ehe ging jedoch nur eine lebende Tochter hervor, Lucia Martha von Jordan. Das könnte damit zusammenhängen, dass Elisabeth Katharina mehrere Jahre getrennt von ihrem Mann in Meran bei ihrer Mutter lebte, wobei ihr Ehemann ihr zu Unterhalt verpflichtet war, während die Tochter bei der Großmutter Lucia von Jordan in Bozen lebte.

Doch dies waren nicht die einzigen Turbulenzen im Lebensumfeld der Familie: Bereits 1682 war der kaiserliche Leibarzt Rochus von Jordan, Besitzer mehrerer großer Güter in Bozen und Umgebung sowie des Ansitzes Mair am Hof in Dietenheim, verstorben, wobei er aber seinen einzigen Sohn Michael von der Erbfolge ausgeschlossen hatte. Nach einem Streit um die väterliche Erbschaft einigte dieser sich mit seiner Mutter und seinen Geschwistern. Nach dem Tod seiner ersten Frau 1683, um deren Verlassenschaft er ebenfalls mit seinen Schwagern einen Streit austrug, ehelichte er noch vor dem Jahresende Maria Sidonia von Vintschger. Doch nur wenige Monate später – er hatte wohl noch die Geburt seiner zweiten Tochter Maria Francisca erlebt – starb Michael von Jordan am 21. September 1684. Seine älteste Tochter Lucia Martha von Jordan stand 1685 kurz vor der Eheschließung mit Paul Zanin, einem Doktor der Medizin aus dem Sulzberg, zu dessen Patienten auch hochgestellte Adelsfamilien zählten. In den folgenden Jahren brachte Lucia Martha in Bozen zwei Kinder zwei Kinder zur Welt.

Evi Pechlaner