Geviert und vermehrt
Die Welsperg und ihr Wappen
Die vermutlich von den Herren von Stilfes bei Sterzing abstammenden Welsperg leiten ihren Namen von der gleichnamigen Burg im Pustertal ab, wo sie seit 1164 urkundlich belegt sind. 1539 in den Freiherrenstand und 1693 in den Grafenstand erhoben, erlosch das Geschlecht 1907. Im Jahr 1913 gingen Besitz, Wappen und Name auf die Thun-Hohenstein von Schloss Bragher über, die sich seither Thun-Hohenstein-Welsperg nennen.
Seit 1401 besaßen die Welsperg die Herrschaft Primiero (Primör) und seit 1465 jene von Telvana im Valsugana. Von 1568 bis zu ihrem Erlöschen bekleideten sie das Amt des Erblandküchenmeisters der gefürsteten Grafschaft Tirol, ein Amt, das nach ihrem Aussterben an die Thun überging; seit 1711 führten sie zudem das Amt des Erblandstabelmeisters. Hinzu kam das Amt des erblichen Oberstmarschalls des Hochstifts Brixen, das sie 1500 von den Herren von Vilanders-Mezan erwarben.
Das alte Wappen der Welsperg, ein von Schwarz und Silber geviertelter Schild, ist seit 1255 durch ein Wappensiegel bezeugt. Seine Farben sind erstmals um 1385/94–1396 in einem der drei Wappenbücher des Hospizes St. Christoph am Arlberg überliefert, nämlich in dem heute in München aufbewahrten Exemplar.
Das Stammwappen blieb über drei Jahrhunderte hinweg allein in Gebrauch, bis zur Erhebung der Welsperg in den Freiherrenstand. In der Folge wurde es durch Vierung mit dem Wappen der 1547 mit Burchard von Vilanders erloschenen Familie Vilanders-Mezan vermehrt. Die Verleihung dieses Wappens durch Erzherzog Ferdinand I., bestehend aus einem roten Schild mit gestürztem silbernem Doppelsparren, erfolgte zu unterschiedlichen Zeitpunkten an die einzelnen Familienzweige: zunächst 1551 zugunsten der Vettern Sigmund III. († 1552), Herrn von Primör und Telvana, und Karl von Welsperg; anschließend 1564 an die übrigen Familienvertreter, nämlich Hanns von Welsperg sowie seine Vettern Bartholomäus, Balthasar, Melchior, Paul und Kaspar Karl. Diese Maßnahme wurde schließlich 1567 von Kaiser Maximilian II. bestätigt und erneuert.
Im Bestand Wolkenstein-Trostburg des Südtiroler Landesarchivs wird der am 24. April 1564 in Wien für Hanns von Welsperg ausgestellte Wappenbrief aufbewahrt. Es handelt sich um ein großformatiges Libell aus sechs Pergamentblättern. Das dritte Blatt zeigt auf der Vorderseite die Miniatur des betreffenden Wappens, die hier wiedergegeben ist.
Dieses Wappen blieb jenes der Welsperg der Linie Zellburg-Neurasen bis zu deren Aussterben im Jahr 1649. Für die Linie Primör hingegen wurde es 1570 durch ein zweites, verbessertes Wappen ersetzt, das in diesem Jahr Christoph von Welsperg und Primör verliehen wurde. Dieses wiederum wurde 1693 im Zusammenhang mit der Erhebung der Welsperg-Primör in den Grafenstand durch ein weiteres Wappen abgelöst, bei dem im Schildfuß das Wappen der erloschenen Raitenau hinzugefügt wurde.
Das Wappen von 1551/64 in der hier wiedergegebenen Form ist vielfach belegt: im Wappenbuch des David Solbach (1558–1591); am Taubenturm von Schloss Churburg, wo es um 1562 als Fresko ausgeführt wurde; auf einem zwischen 1564 und 1567 entstandenen Porträt Sigmunds von Welsperg, das auf Burg Taufers aufbewahrt wird; auf einer 1602 von Franz Gerhart von Köstlan für die Kirche Unsere Liebe Frau am Rain bei Toblach gestifteten Votivtafel, wo das Wappen weniger die Familie als vielmehr die Herrschaft bezeichnet; schließlich im Kreuzgang des Klosters Neustift auf einer Grabplatte, auf der das Wappen mit jenem der Recordin verbunden ist.
In der Pfarrkirche von Fiera di Primiero kann hingegen das große Fresko bewundert werden, das von Hans Jakob Römer († 1560), Gerichtspfleger in Primör im Dienst der Welsperg, in Auftrag gegeben wurde und zwei Welsperg-Wappen von 1551/64 zeigt, deren Felder mit jenen der Wolkenstein-Trostburg und der Firmian geviertelt sind. Dargestellt sind die Ehepaare Karl von Welsperg († 1562) und Katharina von Wolkenstein-Trostburg († 1568) sowie Christoph von Welsperg († 1585) und Dorothea Lucia von Firmian. Zu den jüngeren Beispielen zählt schließlich die Darstellung von 1607 sowohl auf dem Wolkenstein-Archivschrank als auch an einer der Wände des Vorraums des Hofratssaales in Brixen.
Familienarchiv Wolkenstein-Trostburg, Akten, Nr. 813
Walter Landi
