[Externer Link] Webseite - Autonome Provinz Bozen - Südtirol

Die Nuklearkatastrophe von Tschornobyl im Südtiroler Landtag

05.05.2026, 14:00
Südtiroler Landesarchiv, Sitzungsprotokolle des Südtiroler Landtages, Pos. 1160
Südtiroler Landesarchiv, Sitzungsprotokolle des Südtiroler Landtages, Pos. 1160

Am vergangenen 26. April jährte sich zum 40. Mal die wohl größte technische Katastrophe des 20. Jahrhunderts, die Explosion des Kernreaktors im Block 4 des Kernkraftwerks in Tschornobyl (damals Sowjetunion UDSSR, heute Ukraine).
Dieses Ereignis beschäftigte 1986 auch den Südtiroler Landtag. Wie aus den Sitzungsprotokollen hervorgeht, reichten bereits im Mai 1986 Landtagsabgeordnete verschiedener politischer Gruppierungen Beschlussanträge ein: Alexander Langer und Arnold Tribus (Alternative Liste für das andere Südtirol) am 5. Mai (Nr. 50/86), Gateano d'Ambrosio und Grazia Barbiero De Chirico (Partito Comunista Italiano) am 12. Mai (Nr. 51/86), sowie Gerold Meraner (Partei der Unabhängigen) am 21. Mai (Nr. 53/86). Dazu kamen noch mehrere, auch dringende Anfragen (Interpellationen), die an den Landeshauptmann Silvius Magnago und an den Gesundheitslandesrat Otto Saurer gerichtet waren.
In den Anträgen und Anfragen wurde in erster Linie die Landesregierung aufgefordert, eigenständige Messungen der Radioaktivität vorzunehmen, die Südtiroler Bevölkerung besser über die Gesundheitsrisiken zu informieren, die Koordinierung der Maßnahmen mit der Regierung zu verbessern und die grenzübergreifende Zusammenarbeit mit benachbarten Ländern, beispielsweise im Rahmen der ARGE-ALP zu intensivieren, vor allem in Bezug auf eine kosequente Ablehnung der Atomenergie.
Interessanterweise kam die Behandlung der Anträge und Anfragen zu Tschornobyl erst in der 145. und 146. Sitzung des Landtages am 28. und 29. Oktober 1986 (!) zur Behandlung, nachdem auch die Südtiroler Volkspartei durch die Abgeordneten Sepp Mayr, Hubert Frasnelli und Oskar Peterlini kurz zuvor am 14. Oktober einen eigenen Beschlussantrag (Nr. 64/86) eingereicht hatten. Wie aus den im Protokoll verschriftlichten Erläuterungen Alexander Langers hervorgeht, wurde auf eine sofortige Abstimmung im Mai verzichtet, „um niemanden in Verlegenheit zu bringen”. Langer fügte dann hinzu: „Wir konnten damals allerdings wirklich nicht ahnen, daß aus diesem unserem Entgegenkommen dann ein Anlaß gemacht würde, die Diskussion bis Ende Oktober zu verschieben”.

Harald Toniatti