[Externer Link] Webseite - Autonome Provinz Bozen - Südtirol

Ein Stadttheater von Bozen

02.01.2026, 11:00

Die Loge im Theater wurde als eine der „Acht Bozner Seligkeiten“ betrachtet

Einer der Aktionäre war Bernhard Dominikus Streiter (1755-1809), Schwager Johann Anton von Kager, des damals regierenden Bürgermeisters von Bozen und Vater des späteren Bozner Bürgermeisters Josef Streiter.
Südtiroler Landesarchiv, Nachlass Streiter, Bernhard Dominikus Streiter, Privates, Karton 2, 6.
Einer der Aktionäre war Bernhard Dominikus Streiter (1755-1809), Schwager Johann Anton von Kager, des damals regierenden Bürgermeisters von Bozen und Vater des späteren Bozner Bürgermeisters Josef Streiter. Südtiroler Landesarchiv, Nachlass Streiter, Bernhard Dominikus Streiter, Privates, Karton 2, 6.

Am 17. Jänner 1804 wurde die „Theater-Unternehmungsgesellschaft“ gegründet, bestehend aus 47 Mitgliedern, die jeweils eine Aktie im Wert von 500 Gulden zeichneten. Mit dem aufgebrachten Kapital erwarb die Gesellschaft das Gasthaus „Zum blauen Bock“ auf dem Musterplatz, die spätere „Kaiserkrone“, um im dazugehörigen Garten ein Theatergebäude zu errichten. Dieser vom Bozner Handelsherrn Franz Anton von Pock erbaute Gasthof war nach dessen Tod an den Feinfärber Anton Nagele und in weiterer Folge an Stefan Landsmann übergegangen, der diesen drei Tage nach deren Konstituierung an die Casino-Gesellschaft veräußerte. An der Spitze der Aktiengesellschaft stand Johann Graff Baron von Ehrenfeld.

Trotz eines Protestes, der beim Stadtmagistrat eingereicht und verschiedene Instanzen bis nach Wien durchlaufen musste, begann der Bau des Theaters bereits einen Monat nach der Gründung der Gesellschaft. Zeitgleich beantragte die Gesellschaft die Lizenz für ein Kaffeehaus, da ein solches in der Nähe von „Theater, Redouten und Casinos“ erforderlich sei. Im August 1805 konnte das Theater und das „Café Zur Stadt Bozen“ schließlich mit obrigkeitlicher Bewilligung eröffnet werden. Das neue Theater hatte ein Fassungsvermögen von 800 Zuschauerinnen und Zuschauer, die auf Parterre, Galerie und Logen verteilt waren. Von den 33 Logen wurden 27 durch eine Verlosung an die Theateraktionäre vergeben. Eine Loge blieb als „Hofloge“ den Behörden vorbehalten, während die übrigen nach Belieben vermietet werden konnten.

Ein stabiler Spielbetrieb kam infolge der im September desselben Jahres wiedereinsetzenden kriegerischen Ereignisse, der neuerlichen Besetzung durch die Franzosen und des Beginns der bayerischen Herrschaft nicht zu Stande. Ab Oktober 1806 setzte schließlich eine reguläre Saison mit 96 Theaterabenden ein. Gespielt wurde in der Regel fünfmal die Woche.

In den folgenden Jahrzehnten erwies sich der Theaterbetrieb aufgrund der Nachwirkungen der Kriege und politischen Umwälzungen als finanziell nicht tragfähig. Die Schulden der Theatergesellschaft stiegen bis 1824 auf das Doppelte des Kapitals, was dazu führte, dass 28 Aktionäre aus der Gesellschaft ausschieden. Die verbleibenden Aktionärsfamilien sahen sich im Jahr 1829 gezwungen, das Gebäude der „Kaiserkrone“ samt Theater an Johann Georg Deuringer senior aus Augsburg zu verkaufen. Nach einer längeren Abfolge von Besitzerwechseln an dessen Ende schließlich Heinrich Settari und dessen Rechtsnachfolger Otto Himmelstoß standen, wurde das Theater im hundertsten Jahr seiner Gründung schließlich aufgrund diverser, schwer zu behebender Baumängel geschlossen.

Erst zehn Jahre nach der Schließung des alten Stadttheaters erhielt Bozen ein neues Theater in der Nähe des Bahnhofs, das am 14. April 1918 eröffnet wurde.

Margot Pizzini