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Die "Spanische Grippe" in Südtirol

04.12.2025, 14:00
Pfarrei Jenesien, Sterbebuch 1918, S. 166
Pfarrei Jenesien, Sterbebuch 1918, S. 166

Das Ende des 1. Weltkrieges wird mit dem Auftreten der sog. "Spanischen Grippe" in Verbindung gebracht, die auch in Tirol unter der nach vier harten Kriegsjahren entkräfteten Bevölkerung wütete. Schätzungsweise 1500 Menschen fielen laut der Tiroler Todesursachenstatistik dieser Influenza-Pandemie zum Opfer, wobei wohl mit einer großen Dunkelziffer zu rechnen ist. 

Als "spanisch" wurde die Grippe übrigens deshalb bezeichnet, weil über die Krankheit zuerst in spanischen Zeitungen berichtet worden ist, neueren Theorien zufolge ist sie wohl aus den Vereinigten Staaten von Amerika eingeschleppt worden. 

Prominente Opfer der "Weltepidemie" waren beispielsweise der Maler Egon Schiele, der Soziologe Max Weber, Frederick Trump, der Großvater von Donald Trump, und der letzte Kaiser von Österreich, Karl I. 

Besonders aggressiv war die zweite Grippewelle im letzten Viertel des Jahres 1918. 

Dies zeigt auch ein Blick in ein zugegeben zufällig ausgewähltes Sterbebuch aus Südtirol. Die Seite mit den verzeichneten Verstorbenen vom 13. September bis zum 31. Dezember des Jahres 1918 im Sterbebuch der Pfarrei Jenesien (Seite 166) enthält insgesamt 7 Eintragungen, worunter sich ein gefallener Kaiserjäger und eine nicht in Jenesien begrabene Person ohne Angabe des Grundes befinden. Die übrigen fünf verstorbenen Todesfälle können alle in einen Zusammenhang mit der Grippe gebracht werden, bei zwei Personen wird dabei sogar wörtlich die "spanische Grippe" als Todesursache angegeben. Da das Ableben der drei übrigen Verstorbenen mit "Grippe mit Lungenentzündung" begründet wird, liegt auch hier der Verdacht nahe, dass sich um Pandemie-Fälle gehandelt hat. 

Während man dem Beginn der Pandemie von Seiten der Öffentlichkeit zunächst ratlos gegenüberstand, ergriffen die Behörden in der zweiten Welle Maßnahmen: So wurden Verbote zur Massenansammlungen erlassen und die Schließung von Schulen, wie in Bozen und Brixen, verfügt. 

Die bei den Pfarreien angelegten Kirchenbücher mit Eintragungen von Taufen, Todesfällen und Trauungen hatten in Südtirol bis zum 31. Dezember 1923 (Einführung der staatlichen, von den Gemeinden zu führenden Zivilstandsregister) den Status von öffentlichen Urkunden zum Personenstand und können online über die Homepage des Südtiroler Landesarchivs benutzt werden. 

Harald Toniatti