Der Überfall auf das Sterzinger Deutschhaus im Mai 1525
Im Mai 1525, als der Bauernaufstand große Teile Tirols erfasste, erreichten die Unruhen auch Sterzing. In einer Klageschrift schildert der Deutschordenskomtur Heinrich von Knöringen die Ereignisse aus seiner Sicht. Obwohl er niemandem Schaden zugefügt habe, hätten mehrere Männer aus Sterzing und der umliegenden Gegend – Bürger wie Bauern – beschlossen, sich gewaltsam Zutritt zur Ordensniederlassung zu verschaffen.
Der Überfall
Am Vorabend des Sonntags, 14. Mai 1525, zog die Gruppe „mit werhaften handen, trumen und pfeyffen“ zum Deutschhaus. Da das Tor verschlossen war, baten sie um Einlass und erklärten, lediglich „ain trungkh zuthun unnd nichts ungeburlichs zuhanndlen“. Der Verwalter verweigerte dies wegen der späten Stunde, stellte jedoch in Aussicht, sie am nächsten Morgen zu empfangen. Die Gruppe akzeptierte diese Absage jedoch nicht.
Stattdessen erzwangen sie mit Gewaltandrohung den Zutritt, sodass der Verwalter das Tor schließlich öffnen musste. Im Inneren begannen sie sofort mit der Plünderung: Sie brachen Vorratsräume und Kammern auf, konsumierten Wein und Lebensmittel und eigneten sich alles an, „was inen gefallen hat“.
Der Überfall beschränkte sich nicht auf materielle Schäden. Der Pfarrer, weitere Geistliche und das Gesinde wurden vertrieben. Dem Pfarrer warf man vor, Besitz versteckt zu haben; er wurde „in dye eysen geschlagen“ und mehrere Tage lang gefesselt festgehalten.
Das Schadenregister
Dem Bericht beigefügt ist ein ausführliches Schadenregister, das die Verluste detailliert dokumentiert. Es nennt unter anderem Waffen und Rüstungsteile – darunter einen „hubschen federpusch“ –, Leinenwaren, Tischwäsche und Handtücher sowie Vorräte und Lebensmittel. Der Komtur beziffert den entstandenen Schaden auf eine beträchtliche Summe und unterstreicht die wirtschaftliche Belastung, die der Überfall für die Kommende bedeutete.
Dieses Dokument vermittelt ein eindrückliches, wenn auch subjektiv gefärbtes Bild der Ereignisse und stellt eine unmittelbare, zeitgenössische Momentaufnahme der lokalen Auswirkungen des Bauernaufstands von 1525 dar. Es zeigt exemplarisch, wie sich die gesellschaftlichen Spannungen jener Zeit in konkreten Gewaltakten entluden.
Südtiroler Landesarchiv, Bestand Stadtarchiv Sterzing, Serie XXXIV, Fasz. 7
Philipp Tolloi

