[Externer Link] Webseite - Autonome Provinz Bozen - Südtirol

Der Bauernkrieg im Trentino

01.11.2025, 07:00
Südtiroler Landesarchiv, Familienarchiv Welsperg-Spaur, Nr. 203
Südtiroler Landesarchiv, Familienarchiv Welsperg-Spaur, Nr. 203

Der zwischen 1524 und 1526 stattfindende sogenannte „Große Deutsche Bauernkrieg“ war in Wirklichkeit nicht nur eine Rebellion des deutschsprachigen gemeinen Mannes im Alten Reich. Vielmehr handelte es sich – etwa mit Blick auf das heutige Trentino – auch um eine Erhebung der italienischsprachigen Bevölkerung. Zwar behaupteten Fürstbischof Bernhard von Cles und die nachfolgende Geschichtsschreibung, der Bauernkrieg sei gewissermaßen aus dem lutherischen Norden in das Hochstift Trient und die unmittelbar zur Grafschaft Tirol gehörenden Enklaven wie die Herrschaften Flavon (Spaur) oder Telvana (Welsperg) importiert worden.

Tatsächlich war die Zeit vor 1525 auch im Hochstift Trient geprägt von Verschuldung, Verarmung, Seuchen und einer zunehmenden Gewaltbereitschaft in der Bevölkerung. Neben der Stadt Trient waren insbesondere der Nonsberg und der Sulzberg (Val di Non / Val di Sole) Zentren der Unruhen. Im Mai 1525 breitete sich die Empörung dort aus: Burgen und Pfarrhäuser wurden besetzt und geplündert, Frondienste und Abgaben verweigert, eigene Vorsteher und Richter eingesetzt. Die Nons- und Sulzberger waren nicht bereit, die Waffen niederzulegen; auch den Abschied des Innsbrucker Bauernlandtags lehnten sie ab.

Es fehlte jedoch an Geld – und damit an Söldnern –, um den Aufstand rasch zu beenden. Am 30./31. August wurden die auf die Stadt Trient losstürmenden Aufständischen von der Stadtbesatzung zurückgeschlagen. In den folgenden Wochen ging die Obrigkeit zum Gegenangriff über und warb erfolgreich Truppen. Am 6. September marschierten 2000 Mann aus Innsbruck in Richtung Nonsberg. Diese militärische Drohkulisse genügte, um den Aufstand schließlich ohne nennenswerte Waffengewalt zu beenden.

Eine weitere Abschreckungsmaßnahme war die Anordnung der Regierung in Innsbruck vom 26. September, die trentinischen Hauptschlösser mit militärischen Kräften zu verstärken. So wurde etwa Caspar von Spaur aufgefordert, auf Schloss Flavon am Nonsberg „ainen Rottmaister mit zehen Knechten zulegen“, zu versorgen und zu bezahlen.

Dies zeigt, dass der Landesfürst nur durch die finanzielle Unterstützung – unter anderem des Adels – in der Lage war, die Kontrolle über die Lage zu behalten.

Südtiroler Landesarchiv, Familienarchiv Welsperg-Spaur, Nr. 203.

Philipp Tolloi